Vom Besichtigungstermin zum Notartermin

von Julia Tuma
Notartermin_Beitragsbild

Nachdem wir unser Häuschen gesehen hatten, war für mich sofort klar, dass es UNSER Häuschen ist (war es eigentlich schon vorher, ich kannte es ja von außen und war so glücklich, dass wir überhaupt etwas erschwingliches in unserem Ort gefunden hatten. Dass wir dort einiges zu tun haben würden, war schon vor der Besichtigung klar, daher war das für mich nicht mehr ausschlaggebend für die Entscheidung). Nachdem sich zwei Tage später auch Philipp dafür entschieden hatte, haben wir den Verkäufern zugesagt.

Bestandsaufnahme

Als nächstes musste mit der Bank gesprochen werden. Doch wie hoch sollte eigentlich der Kredit sein? Wie teuer ist so eine Renovierung? Was muss überhaupt alles gemacht werden? Das war der Moment, wo ich mich schon das erste Mal im Renovierungsprozess total überfordert gefühlt habe. Wir haben beide absolut keine Ahnung vom Renovieren oder vom Bau und sollten dann solche Entscheidungen treffen. Da wir ein Reihenhaus kaufen wollten und einen der Nachbarn kannten, haben wir uns erstmal sein Haus angeschaut und uns informiert, was er alles gemacht hat. Danach sind wir noch mit Julia`s Papa ins Haus. Der ist zwar auch kein Experte, aber als Hausbesitzer hat er zumindest doch etwas mehr Erfahrung. So bekamen wir einen groben Überblick, was alles renoviert und saniert werden musste. Rohre, Elektro, die ein oder andere Wand verändert, neue Fenster, Wände und Böden. Später stellte sich raus, dass unsere Liste nicht vollständig war. Ich kann daher nur empfehlen, euch einen Energieberater zu holen. Der kann euch sagen, was gemacht werden muss und was es grob kosten wird. Wir haben das leider erst viel später gemacht. Den ersten Termin mit dem Energieberater vor Ort muss man übrigens in der Regel nicht bezahlen.

Und was heißt das nun in Zahlen?

Das was war (unvollständig) bekannt, also musste nun recherchiert werden, wie viel die einzelnen Positionen kosten sollten. Da wir vor dem Kauf ja schlecht mit jedem Handwerker vorab ins Haus gehen konnten, blieb uns also nur good old Google. Die Summen stimmten letztendlich natürlich auch nicht mit den Kostenvoranschlägen überein, aber dazu in einem späteren Beitrag mehr. Auf unsere Schätzwerte haben wir noch einen Puffer addiert und dann ging unser Vorschlag auch schon zur Bank.

Da war doch noch was – Papierkram

Für den Kredit bei der Bank brauchten wir außerdem noch eine Menge Unterlagen. Was genau man dort vorlegen muss, ist von Bank zu Bank unterschiedlich. Wir haben schon während unserer Haussuche einige Banken aufgesucht und uns dann für die entschieden, die uns am meisten zugesagt hat – gute Konditionen und gute, verständliche Beratung. Unsere Papiere zu Einnahmen und Vermögen lagen bereits vor. Pläne vom Haus, Grundbuchauszug und weitere Unterlagen vom Haus mussten wir uns von den Verkäufern besorgen. Plant dafür genügend Zeit ein, bei uns hat immer noch etwas gefehlt und dann hat sich das ganze ziemlich hingezogen. Erst als alle Unterlagen komplett waren, konnte unsere Bank die Verträge fertig machen – das hat nochmal zwei Wochen gedauert. In der Zwischenzeit haben wir schonmal den Notartermin vereinbart. Je nach Region sollte man auch da früh genug anfragen. Um es zeitlich einordnen zu können: wir hatten Anfang Januar den Besichtigungstermin und Ende Februar den Notartermin.

Beim Notar

Wir hatten Glück, unser Notar hat sich wirklich Zeit genommen und uns jede einzelne Passage des Vertrags ausführlich erklärt. Ich habe von anderen gehört, dass nur auf Nachfrage einzelne Teile erläutert wurden. Wir wussten am Ende genau, was wir da unterschreiben und was unsere Rechte und Pflichten waren. Andererseits saßen wir für den Kaufvertrag zusammen mit der Eintragung der Grundschuld insgesamt sage und schreibe 6 Stunden beim Notar! Mit 5 Monate altem Baby wohlgemerkt.

Beim Termin hat sich dann noch rausgestellt, dass sich der Kauf noch verzögert. Normalerweise dauert es ca. 4-6 Wochen, bis so ein Hauskauf abgeschlossen ist. In unserem Fall war eine der Verkäuferinnen Minderjährig, weil es sich um eine Erbengemeinschaft handelte. Somit wurde eine familiengerichtliche Genehmigung erforderlich. Wie wir beim Termin erfuhren kann so etwas schnell gehen, dann dauert es nur 4 Wochen, oder lange dauern, dann kann es sich bis zu 6 Monaten hinziehen – zusätzlich zu den regulären 4-6 Wochen. Solange der Kauf nicht abgeschlossen ist, braucht man mit den Renovierungsarbeiten nicht beginnen, ihr könnt euch bestimmt vorstellen, wie ernüchternd diese neuen Informationen für uns waren. Der Notar hat außerdem bestimmt zehn mal ausdrücklich drauf hingewiesen, dass die Verkäufer den Schlüssel auf keinen Fall vor Kaufabschluss und Zahlungseingang rausrücken sollen. Das hätte bedeutet, dass wir weder mit Handwerkern in das Haus gekonnt, noch mit Vorarbeiten beginnen hätten können. Glücklicherweise haben wir vertrauensvoller Weise trotzdem schonmal einen Schlüssel bekommen. Blieb also nur noch zu hoffen, dass das Familiengericht sich eher schnell als langsam entscheidet. Planen kann man bei einer Zeitspanne von 2-7 Monaten halt auch schwierig.

Unsere Tipps zur Vorbereitung auf den Notartermin:

  • Falls ihr einen Kredit aufnehmt (was heutzutage ja fast immer der Fall ist) kümmert euch schleunigst darum alle Unterlagen für die Bank zusammen zu bekommen, um die Erstellung der Kreditverträge nicht unnötig zu verzögern. Bis man alles notwendige zusammen hat, kann es manchmal ganz schön dauern. Der Kauf des ersten Hauses, für das wir uns interessiert hatten ist dadurch geplatzt.
  • Wenn die Bank absehen kann, wie lange sie noch für die Verträge braucht, macht frühzeitig einen Termin beim Notar aus, da auch dies ein paar Tage bis Wochen dauern kann.
  • Lasst euch die Verträge der Bank sowie den Kaufvertrag vorab (per Email) zuschicken und lest sie euch gründlich durch. Lasst gegebenenfalls einen Fachmann drüber lesen und wenn ihr was nicht versteht: Fragt nach! Gerade der Kaufvertrag ist nicht gerade leicht verständlich geschrieben. Die Angestellten vom Notariat sind dafür da, eure Fragen zu beantworten und sind in der Regel gern behilflich.
  • Nehmt euch etwas zu Trinken mit zum Notartermin. Man sollte meinen bei den Summen die man dafür bezahlt, ist ein Glas Wasser im Preis enthalten. Bei uns hat es drei Stunden gedauert, bis mal jemand gefragt hat, ob wir etwas trinken möchten. Bringt euch lieber selbst was mit – sicher ist sicher.

Was habt ihr so für Erfahrungen gemacht? Waren eure Notartermine auch so anstrengend? Lagt ihr mit euren Kostenschätzungen für die Renovierung richtig? Oder würdet ihr euch gar nicht erst so ein altes, renovierungsbedürftiges Haus kaufen?

Hier haben wir übrigens über unsere Haussuche geschrieben und teilen mit euch, was wir daraus lernen konnten.

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