KONTROVERS: Die ideale Geburt

von Julia Tuma
Kontrovers_Geburt

Ok, ich hoffe, ihr nehmt mir den nicht ganz so ernst gemeinten Titel nicht übel. In diesem Beitrag möchte ich mal wieder ein kontroverses Thema diskutieren: die Geburt. Spoiler alert – es geht nicht darum wie man “richtig” gebärt.

Und wie willst du entbinden?

Schon während der Schwangerschaft wurde ich so häufig gefragt, ob ich schon weiß, wie ich entbinden möchte. Ich fand diese Frage immer etwas komisch. Ja klar man macht sich ja schon so seine Gedanken. Aber ich hatte immer das Gefühl, letztendlich muss ich entscheiden, was sich gerade richtig anfühlt, wenn es so weit ist. Wenn ich mir vorher genau überlege, in welcher Position ich entbinden möchte, Kaiserschnitt oder nicht, Badewanne oder nicht, PDA oder nicht, stationär oder ambulant, bei Tag oder bei Nacht (bitte nicht lachen, ich habe wirklich von Schwangeren gehört, die unbedingt zu einer bestimmten Tageszeit entbinden wollten), dann mache ich mir doch eigentlich nur vorher schon unnötigen Stress.

Denn letztendlich weiß ich vorher nicht, was bei einer Geburt auf mich zukommt. Selbst wenn ich schon das zweite oder dritte Kind bekomme, so kann es doch jedes mal sehr unterschiedlich sein. Wenn ich mir vorher genaue Pläne mache, dann ist das Risiko hoch, dass ich am Ende enttäuscht bin, wenn es doch ganz anders kommt. Zumindest habe ich das für mich so empfunden. Das mag bei euch natürlich ganz anders sein, ist aber zumindest einen Gedanken wert.

Optionen, Optionen – Informiert euch vor der Geburt

Trotzdem sollte man sich im Vorfeld, z.B. bei einem Geburtsvorbereitungskurs, über die unterschiedlichen Optionen informieren. Hier findet ihr für die aktuelle Situation, online Geburtsvorbereitungskurse im Vergleich (Werbung unbeauftragt). Ich fand es total spannend zu sehen, welche Hilfsmittel einem im Kreißsaal überhaupt zur Verfügung stehen. Oder zu hören, in welchen Positionen das Baby am besten den Geburtskanal nach unten wandern kann. Auch wenn ich mir einfach nicht vorstellen konnte, wie man es unter den Extrembedingungen einer Geburt schaffen sollte, so lange in der Hocke zu sitzen. Oder vielleicht möchtet ihr auch gar nicht im Krankenhaus entbinden, sondern lieber zuhause. Oder ihr bevorzugt ein Geburtshaus, falls es diese Möglichkeit bei euch in der Gegend gibt. Gerade bei den aktuellen Besucherbedingungen im Krankenhaus finde ich diese Optionen immer interessanter.

Und auch ich habe mir natürlich grob überlegt, wie ich mir PERSÖNLICH eine Geburt vorstelle und wünsche. Ja, persönlich habe ich groß geschrieben, denn hier legt jeder seine Prioritäten anders und man sollte sich dabei wirklich nicht reinreden lassen. Ich wollte zum Beispiel so natürlich wie möglich entbinden, habe vorher schon Yoga, Sitzbäder und Akupunktur gemacht, hatte das Glück, dass Lono mit dem Kopf nach unten lag und wollte gern auf Schmerzmittel so gut es eben geht verzichten. Ich wollte das gern allein schaffen und die Geburt vollständig miterleben. Ein weiterer Grund war aber auch, dass meine Angst vor Schmerzmitteln und vor allem davor, mir diese per Spritze in den Rücken stechen zu lassen, wahrscheinlich größer war, als die Angst vor den Geburtsschmerzen. Wenn ihr die komplette Story zu Lono Geburt lesen möchtet, schaut gerne mal hier meinen Geburtsbericht an.

Lass dir nicht reinreden – Finde raus was DU wirklich willst

Ich kenne aber auch sehr viele Schwangere und Mütter, die vor der PDA nicht so große Angst haben und deren Priorität eher darauf liegt, die Geburt mit so wenig Schmerzen wie möglich hinter sich zu bringen. Und das ist doch völlig in Ordnung. Wieder andere möchten von vorn herein einen Kaiserschnitt, aus den unterschiedlichsten Gründen. Einige möchten ihren Liebestempel gern unbeschadet lassen, andere hätten gern mehr Planbarkeit und wieder andere sehen darin das geringste Risiko, wenn sie z.B. davor bereits schon eine Entbindung per Kaiserschnitt hatten. Was auch immer eure Beweggründe und eure Wünsche sind, solange ihr euch Gedanken darüber gemacht habt, was euch wichtig ist, lasst euch da von niemandem rein reden!

Die Geburt ist erst der Anfang. Wenn das Kind erstmal da ist, gibt es noch so viele Themen, bei denen ihr von 3 verschiedenen Leuten 4 unterschiedliche Meinungen bekommt. Schlaf, Stillen, Tragen sind nur einige der Themen, bei denen nicht mal Hebammen und Kinderärzte untereinander einer Meinung sind. Als Mama muss man lernen seinen eigenen Weg zu finden und auf die innere Stimme zu hören. Egal was andere sagen, ihr wisst intuitiv selbst am aller besten, was das Richtige für euch und euer Kind ist.

Und wenn ihr einen Plan für die Entbindung habt: loslassen!

Wenn ihr euch über eure Wünsche und Prioritäten im Klaren seid, ist das ein ganz wichtiger Schritt. Das Wichtigste jedoch ist, dass ihr diese nicht wie in Stein gemeißelt anseht. Es ist wichtig zu wissen, was man will, noch wichtiger aber ist es, sich auf die Situation einlassen zu können. Meine Mutter wollte bei meiner Geburt unbedingt in die Badewanne. Und als es soweit war und sie in den Wehen lag, hat sie die Badewanne ausprobiert und wollte sofort wieder raus. In dem Moment war es einfach total unangenehm. So kann aus einer romantischen Vorstellung plötzlich eine ganz andere Realität werden. Eventuell wollt ihr keine Schmerzmittel. Und unter der Geburt haltet ihr es einfach nicht mehr aus und lasst euch doch eine PDA legen.

Oder ihr überlegt euch genau, welche Musik ihr bei der Geburt hören möchtet und habt euch eine Geburtsposition ausgesucht – doch dann geht es plötzlich alles so schnell, dass ihr noch im Krankenwagen euer Baby zur Welt bringt und ihr gar keine Gelegenheit mehr habt, eure Pläne und Vorbereitungen in die Tat umzusetzen. Vielleicht habt ihr Wochenlang Hypnobirthing geübt, um dann gesagt zu bekommen, dass euer Kind eine so ungünstige Lage hat, dass euch nur der Kaiserschnitt bleibt, obwohl ihr das auf gar keinen Fall wolltet. Es kommt so oft anders als man denkt. Die Kunst liegt darin, sich darauf einzulassen. Zuzulassen, was man ohnehin nicht ändern kann, anstatt sich ewig darüber zu ärgern oder gar sich selbst dafür Vorwürfe zu machen.

Habt ihr bereits ein oder mehrere Kinder zur Welt gebracht? Wie war es bei euch? Und wenn ihr selbst gerade Schwanger seid, was sind eure Vorstellungen für die Geburt? Ich wünsche euch allen vor allem eins: dass ihr am Ende ein gesundes Baby in euren Armen haltet. Das ist das größte Geschenk und der Weg dahin ist für jeden komplett individuell.

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