KONTROVERS: Der perfekte Zeitpunkt zum Kinderkriegen

von Julia Tuma
Babybauch Kinderkriegen

Ihr kennt sie auch, oder? All diese ständigen Erwartungen, die an uns Eltern gestellt werden, jedoch unerfüllbar sind. Und warum sind sie unerfüllbar? Weil sie sich zum Teil heftig widersprechen. Vor einer Weile ging da ein super Video rum, welches genau diese Thematik der Ansprüche an Frauen in unserer Gesellschaft sarkastisch aufgreift und kritisiert. Falls du es noch nicht kennst, findest du es hier. Dieses Phänomen der unerfüllbaren, gegensätzlichen Erwartungen kann man auch bei Eltern, insbesondere Müttern beobachten. Eine liebe Freundin hat mich vor Kurzem auf dieses Thema gebracht und ich begann einen Beitrag darüber zu schreiben. Nur fiel mir ziemlich schnell auf, dass es schwer werden könnte, all das in nur einem Blogbeitrag abzuhandeln. Also habe ich mich kurzerhand entschlossen, direkt eine ganze Beitragsreihe dazu zu starten. Anfangen tun wir natürlich am Anfang, also noch vor der Geburt des Sprösslings. Eigentlich sogar vor der Zeugung. Wir beginnen mit der Idee Kinder zu bekommen. Denn schon allein zu der Frage “Wann sollte man Kinder kriegen?” gibt es verdammt viele unterschiedliche Meinungen.

Zu jung vs. zu alt

Das geht ja schon mit dem Alter los. Ich bin mit 27 Mutter geworden, meiner Meinung nach ein gutes Alter zum Kinderkriegen. Ich hatte mein Studium abgeschlossen, stand bereits auf eigenen Beinen und hatte ein paar Jahre Berufserfahrung und einen festen Partner. Und trotzdem konnte ich mir ständig anhören, wie jung ich doch sei. Meine Mutter hat mich, ihr erstes Kind, mit 22 bekommen – und selbst das würde ich in diesem Zusammenhang nicht als zu jung bezeichnen. Und dann hat man noch die Teenie-Mütter, das geht ja sowieso gar nicht. Hat man als 27-jährige Frau hingegen noch keine Kinder (und vielleicht ja auch gar nicht den Wunsch danach) darf man sich oft von allen Ecken anhören, wann es denn soweit wäre. Einem liefe ja auch langsam die Zeit davon. Etwas abstrus, findet ihr nicht? Meine Freundinnen, die mit Mitte und Ende 30 hingegen ihr erstes Kind bekommen haben, fühlen sich schon wieder recht alt und wollen am liebsten das Zweite (wenn denn ein zweites gewünscht ist) schnell hinterher haben, aus Angst es könnte sonst zu spät sein. Tendenziell werden Frauen allerdings in Deutschland eher älter Mutter, als noch vor 20-30 Jahren. Wenn man gar mit über 40 noch den Wunsch verspürt, ein Kind zu bekommen, heißt es von überall nur, wie man denn auf so eine Idee käme. Akzeptanz? Fehlanzeige!

Arbeit, Karriere und andere Späße

Ein weiterer entscheidender Faktor ist das Thema Karriere. Auch wenn ich nicht das Gefühl habe, 27 wäre jung um Mutter zu werden, so war ich in meinem Freundeskreis doch eine der ersten. Die meisten meiner Freundinnen in meinem Alter können sich noch gar keine Kinder in ihrem Leben vorstellen, weil sie erstmal Karriere machen möchten. Tatsächlich wurde ich schon oft genug gefragt, wozu ich eigentlich einen Master gemacht hätte, wenn ich jetzt doch Mutter geworden bin. Man kann dem allerdings auch entgegensetzen, dass es auch nicht einfacher wird, sich aus der Arbeitswelt für ein oder gar zwei Jahre Elternzeit herauszunehmen, je höher man auf der Karriereleiter aufsteigt. Gerade wenn dann noch Personalverantwortung dazu kommt, wird es im Job immer weniger gern gesehen. Und teilweise ist es als Frau im gebärfähigen Alter auch gar nicht mal so leicht einen Job zu bekommen, wenn die Herren in der Chefetage davon ausgehen, dass man ja ohnehin bald schwanger wird. Ist das nicht ohnehin das einzige Ziel junger Frauen?

Verliebt, verlobt, verheiratet

Ob ihr es glaubt oder nicht – mit jedem dieser Beziehungsstatus ist es legitim ein Kind zu bekommen. Doch es gibt sie tatsächlich noch, die Leute die der Meinung sind, man müsse verheiratet sein, um Kinder zu bekommen. Versteht mich nicht falsch, ich selbst war bereits verlobt und wollte auch verheiratet sein, bevor mein Kind zu Welt kommt. Aber für mich, mein Kind, meine kleine Familie, nicht für irgendjemanden sonst. Mein Verständnis hört allerdings auf, wenn man sich bei anderen einmischen muss, wenn Oma einem ein schlechtes Gewissen macht, weil man unverheiratet schwanger geworden ist. Oder man als Antwort auf die frohe Botschaft von Freunden gefragt wird, wann denn die Hochzeit anstehe. Andere trauen sich nicht, während der Schwangerschaft zu heiraten, aus Angst man könnte behaupten, sie hätten nur deswegen geheiratet.

Allerdings sind dies noch die harmloseren Fälle gewesen. Ihr könnt euch ja vorstellen, wie die Reaktionen sind, wenn man Nachwuchs ankündigt, nachdem man mit seinem Partner nicht mal ein halbes Jahr zusammen ist und bisher kein gemeinsamer Haushalt geworden ist. Das kann ja nur schiefgehen, oder? Nein, tatsächlich kenne ich so einige Paare, die es nach dem Kennenlernen ziemlich eilig hatten und nach über 30 Jahren immer noch glücklich verheiratet sind. Anders herum kenne ich Beziehungen, die über 10 Jahre angehalten haben und nach einem Jahr zu dritt plötzlich zerbrochen sind.

Wann ist denn nun der richtige Zeitpunkt?

Sorry, ich verstehe die Frage nicht?! Lohnt es sich überhaupt, sie zu stellen? Der richtige Zeitpunkt ist, wenn ihr euch bereit fühlt – und zwar jeder einzelne für sich. Oder euch nicht bereit fühlt und trotzdem welche bekommt. So wirklich bereit fühlt man sich ja meist eh nicht. Und den perfekten Zeitpunkt gibt es sowieso nicht. Worauf es definitiv nicht ankommt ist euer Alter (zumindest solange beide Parteien noch physisch im Stande sind), euer Beziehungsstatus (nein man muss nicht verheiratet sein, um Kinder zu bekommen), ob ihr euch gerade noch im Studium befindet, eben erst den neuen Job angetreten seid, ob ihr euren Partner gerade erst kennen gelernt habt oder euch entscheidet allein ein Kind zu bekommen, weil der richtige Partner einfach noch nicht aufgetaucht ist, eure biologische Uhr aber laut tickt. Es ist allein EURE Entscheidung. Lasst euch von anderen nichts einreden.

0 Kommentar
2

Das könnte dir auch gefallen

Was sagst du dazu?