Geburtsbericht mal positiv

von Julia Tuma
Familienfoto

Als ich schwanger war, wollten mir ständig alle von ihren Horror-Geburten erzählen. Man malt sich ja ohnehin schon die schlimmstmöglichen Szenarien aus, da braucht man nicht noch zusätzliche Inspiration. 😉 Ich habe dann angefangen, ganz bewusst online nach positiven Geburtsberichten zu suchen und diese zu lesen, um mir auch ein Bild davon zu machen, wie gut es laufen kann. Außerdem fand ich das eine super Möglichkeit, um herauszufinden, was für eine Geburt ich selbst eigentlich wollte. Den ein oder anderen Umstand, wie den Geburtsort oder die generelle Art der Geburt, kann man in den meisten Fällen ja doch selbst beeinflussen. Außer das Kind hat es eilig und kommt direkt im Auto, oder man kann nur den Kaiserschnitt wählen, weil das Baby eine ungünstige Lage hat. Jede Geburt ist einzigartig und etwas besonderes und jeder sollte da auf sein Herz und Bauchgefühl hören, um den richtigen Weg für sich zu finden.

Den richtigen Geburtsort finden

Kurz vorweg, bei einer Geburt gibt es kein Richtig oder Falsch. Aber es gibt richtig für dich oder nicht richtig für dich – das muss jeder selbst entscheiden. Ich kann euch nur empfehlen das auch zu tun und auf euer Bauchgefühl zu hören, anstatt auf andere, die euch gut gemeinten Rat geben.

Ich hatte das Glück, dass bei mir alles bis zum Schluss gut lief und ich somit die Geburt nach meinen Vorstellungen gestalten konnte. Wir wollten alles so natürlich wie möglich halten. Trotzdem wollten wir auch ein gewisses Maß an Sicherheit, da ich eine leichte Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert bekommen hatte. Eine Hausgeburt kam somit nicht in Frage. Wir haben lange nach dem passenden Krankenhaus geschaut, mehrere besichtigt und uns irgendwie einfach nicht entscheiden können. Auch über Geburtshäuser hatten wir uns informiert, doch so richtig gibt es so etwas hier bei uns leider nicht. Irgendwann habe ich dann die Frauenärztin gefragt und von ihr eine Gruppe Hebammen empfohlen bekommen, die als Beleghebammen im Krankenhaus in Speyer Geburten natürlich begleiten. 

Im Beratungsgespräch mit einer dieser Hebammen hatte ich dann so ein gutes Bauchgefühl, dass mir sogar die Tränen kamen. Es hat sich plötzlich richtig angefühlt. Ich wollte am liebsten keine Schmerzmittel, keinen Dammschnitt usw., und sie hat mir das Gefühl gegeben, voll auf meine Wünsche einzugehen. Und sollte etwas schief laufen, so hatten wir es nicht weit bis zum nächsten Arzt und dem OP, da wir die Räumlichkeiten des Krankenhauses nutzen würden. Sogar eine Kinderstation gibt es in dem Krankenhaus. Win-win! Am Ende hatte übrigens genau diese liebe Seele in der Nacht von Lonos Geburt Dienst und konnte uns somit selbst bei der Geburt begleiten, worüber ich wirklich dankbar bin!

Unsere Vorbereitung

Da wir eine möglichst natürliche Geburt wollten, haben wir uns informiert, was wir tun können, um dies so angenehm wie möglich zu gestalten. Ich habe ein Buch über Hypnobirthing gelesen, habe aber keinen Kurs gemacht und es auch nicht wirklich angewendet. Allerdings fand ich, dass es einige interessante Punkte anspricht, einem aber vor allem Vertrauen gibt, dass eine Geburt etwas ganz natürliches ist und man das aus eigener Kraft schaffen kann. Ich bin fest davon überzeugt, dass die eigene Einstellung, mit der man an eine Sache ran geht, einen großen Einfluss auf die Situation und das Ergebnis hat.

Wir waren auch bei einem Parter-Geburtsvorbereitungskurs und obwohl die meisten meinten, das wäre langweilig und bringt nicht viel, sind wir froh es gemacht zu haben. Die Hebamme, die den Kurs geleitet hat, war echt super und unsere Gruppe total nett und lustig. 🙂 Wir fanden vor allem spannend, wie die einzelnen Geburtspositionen aussehen. Und ein Punkt war für uns auch interessant zu hören: Jede Frau, die natürlich gebärt, kommt irgendwann an den Punkt, wo sie nicht mehr weiter kann oder möchte. Einige werden dann aggressiv (Philipp dachte natürlich ich würde zu dieser Gruppe gehören 😛 ) andere baden in Selbstmitleid (ich glaube das traf am Ende schon eher zu). Auf jeden Fall wollen die meisten dann plötzlich doch Schmerzmittel (zu dem Zeitpunkt ist es dafür dann zu spät) oder sagen, dass sie nicht mehr weiter machen wollen. Das ist natürlich auch keine Option. Denn das ist der Zeitpunkt, kurz bevor die Presswehen und die Austreibungsphase beginnen. Zu wissen, dass dies ganz normal ist, hat mir ziemlich geholfen. Und als es so weit war, wusste ich, dass es nicht mehr lange dauern konnte und das Schlimmste bald geschafft war.

Außerdem habe ich viel meditiert, es gibt ein tolles Program extra für die Schwangerschaft, von Headbase, die ich gemacht habe. Akupunktur habe ich auch bei meiner Ärztin gemacht, weil ich gehört habe, dass es die Eröffnungsphase beschleunigen kann (scheint funktioniert zu haben). Und natürlich jede Menge Bewegung. Tägliche Spaziergänge, regelmäßig Yoga (wenn ihr das auch machen möchtet, achtet hier bitte darauf nur Programme und Übungen zu machen, die für Schwangere geeignet sind). Achja, und Dammmassagen und Sitzbäder, damit der Damm nicht reißt, habe ich auch gemacht. Die Kräuter für solche Bäder bekommt ihr z.B. in der Apotheke. Für die Massage habe ich dieses Öl verwendet. Ich werde jetzt nicht genauer darauf eingehen, wie das funktioniert, dafür gibt es aber YouTube Videos, die das toll erklären. 😉

Der Tag der Geburt

Lono hat ja ein wenig auf sich warten lassen. Er kam ca. eine Woche nach Termin und ich hatte eigentlich gehofft, er würde vielleicht zwei Wochen früher kommen. Aber das Kind entscheidet eben selbst, wann es bereit ist. Und wir waren dann froh, dass wir wenigstens nicht einleiten mussten, da wir der Natur ihren Lauf lassen wollten und den kleinen nicht raus reißen wollten, wenn er noch nicht bereit war.

Ich habe schon mehrer Wochen zuvor immer wieder Übungswehen gehabt und gedacht jetzt geht es los. Am Tag der Geburt selbst habe ich dann noch ein paar YouTube Videos zum Thema Wehen-Veratmen geschaut und diese Techniken geübt – so frisch im Gedächtnis saßen die am Abend dann wenigstens – war super und haben mir echt durch die Wehen geholfen!

Inkontinent bin ich aber noch nicht: Die Blase ist geplatzt

Gegen 22 Uhr, als wir gerade ins Bett gehen wollten, hab ich dann plötzlich gespürt: irgendwas ist da nass und ich bin noch nicht inkontinent. Es musste also ein Blasensprung sein. Da ich absolut keine Ahnung hatte, wie ich rechtzeitig erkennen sollte, dass meine Übungswehen plötzlich echte Wehen sind, war ich echt froh über dieses eindeutige Zeichen. Ich habe also die Beleghebammen angerufen, um zu fragen, wie es weitergeht. Im Vorbereitungskurs wird einem immer gesagt, ab Blasensprung dauert es meist bei der ersten Geburt noch. Man solle lieber zuhause bleiben, bis die Wehen in regelmäßigen Abständen kommen, sonst wird man meist eh wieder heim geschickt. Bei mir war es anders herum. Ich hab gefragt, ob ich zuhause bleiben kann und meine Hebamme meinte dann, sie müsse mir jetzt empfehlen ins Krankenhaus zu fahren.

Also langsam angezogen und etwas nervös, aber zum Glück bisher nur mit milden Wehen ins Auto. Kliniktasche hatten wir da bereits drin. Ich weiß noch genau, welche Musik wir auf dem Weg zum Krankenhaus gehört haben: Frank Ocean – Channel Orange. Wir haben beide mitgesungen und uns gefreut, bald unseren kleinen Schatz kennen lernen und in den Armen halten zu dürfen – jetzt ging es los. Das war so ein magisches Gefühl.

Im Krankenhaus angekommen 

Im Krankenhaus wurde ich an das CTG angeschlossen und hatte bereits regelmäßige, aber noch recht leichte Wehen. Philipp wurde da erstmal heim geschickt 🙁 und ich auf Station, um noch eine Runde zu schlafen. Keine Ahnung, wie man in solch einer Situation schlafen sollte. Nach etwa 1,5 Stunden liegen, wurden die Wehen immer stärker und kamen bereits alle paar Minuten. Ich also wieder zurück zum Kreißsaal gewatschelt und gebeten, dass ich Philipp anrufen kann, er solle zurück kommen. Hab die Erlaubnis bekommen und dann eine halbe Stunde im Nachthemd im Eingangsbereich des Krankenhauses auf Philipp gewartet.

So hab ich im Nachthemd im Eingangsbereich des Krankenhauses auf Philipp gewartet :)
Letztes Bild mit Babykugel im Krankenhaus

Alle paar Minuten kamen die Wehen und die hab ich dann immer fleißig mit der Wellenatmung veratmet. Wenn es zu schlimm wurde, hab ich mich in die Hocke gesetzt. Auch das hab ich vorher ab und zu geübt, da das Baby in der Position wohl am leichtesten “runter rutschen” kann. Hinsetzen oder liegen hat die Wehen bei mir immer nur viel schlimmer gemacht, im Stehen und in der Hocke war es besser. Vor der Geburt hab ich immer gedacht, wie soll ich das denn unter Schmerzen so lange aushalten? Aber in dem Moment war es einfach so eine Erleichterung. Während der Geburt entwickelt man ohnehin plötzlich Kräfte, von denen man vorher nie wusste und ist so vollgepumpt mit Hormonen, dass man alles viel besser weg steckt.

Als Philipp da war, sind wir wieder hoch und ich wurde erneut ans CTG angeschlossen und mein Muttermund abgetastet – ca. 4 cm. Bei 10 cm gehts erst los mit Pressen. Und meine Hebamme meinte pro Stunde öffnet sich der Muttermund ca. 1 cm. Ich hatte also noch etwa 6 Stunden vor mir bis zum Pressen – dachte ich zumindest. Mittlerweile muss es so 2 Uhr nachts gewesen sein. Bis hier hin konnte ich die Wehen immer noch ganz gut veratmen, war meist aufrecht, hab ich mich bei den Wehen in die Hocke gesetzt, weil mir sonst die Kraft gefehlt hat, aber im Liegen wurden die Schmerzen schlimmer. Philipp hat sich in der Zwischenzeit ein wenig ausgeruht für uns beide. Er hätte mir aber ohnehin nicht groß helfen können.

So ca. 3 Stunden später wurden die Wehen dann aber schlimmer. Da kam der Punkt, wo ich gesagt habe, nochmal 3 Stunden halte ich diese Schmerzen nicht aus! Ab da habe ich über meine Optionen für Schmerzmittel nachgedacht. Meine Hebamme hat mir dann die Badewanne vorgeschlagen, was ich für ein paar Minuten ausgehalten habe. Nach ein paar Wehen wollte ich dann aber schleunigst wieder raus. Und plötzlich hab ich gemerkt, ich habe Presswehen. Hab gedacht, das kann nicht sein, waren doch erst drei Stunden seit die Hebamme meinen Muttermund abgetastet und was von 6 Stunden gesagt hat. Aber auch meine Hebamme meinte, wir sollten mal lieber in den Kreißsaal, es würde langsam losgehen. Das war also dieser berüchtigte Moment, wo man nicht mehr weiter wollte. Jetzt wo ich das wusste, haben mir die Schmerzen gleich viel weniger ausgemacht, denn ich wusste, die letzte Phase konnte losgehen.

Ab in den Kreißsaal – jetzt wird gepresst

Bis zu diesem Zeitpunkt war ich in so einer Art Vorwehenzimmer, weil es nur zwei Kreißsäle gab und eine weitere Frau etwa zeitgleich mit mir ankam. Sie hatte bereits ihre zweite Geburt, daher kam sie direkt in den Kreißsaal, beim Zweiten geht es ja meist etwas schneller. Der andere Kreißsaal blieb dann erstmal frei, man weiß ja nie ob noch jemand kommt, bei der es plötzlich schnell geht. 

Zwischen den Wehen hab ich mich also in den Kreißsaal nebenan geschleppt, meine Hebamme hat nochmal kurz nach dem Muttermund geschaut – 9 cm – und meinte ich solle noch ein wenig warten, bis ich dem Verlangen zu pressen nicht mehr widerstehen könnte. Ich glaub das hat nur noch so 1-2 Wehen gedauert und dann hab ich angefangen zu pressen. Ich lag auf der Seite, denn da hatte ich dann keine Kraft mehr mich aufrecht zu halten bzw. nochmal die Position zu wechseln. Zwei Stunden lang ging das so. Ich hab immer gedacht das würde schneller gehen, ist wohl bei vielen auch so. Aber die Zeit verging trotzdem wie im Flug. Ich dachte nur bei jeder Wehe, hoffentlich ist es die letzte. 😀 Dieser Part war für mich persönlich tatsächlich der schmerzhafteste und unangenehmste. Meine Mutter hingegen hatte mir immer erzählt, sie war froh, als sie pressen konnte, weil sie da aktiv etwas tun konnte. So ist es bei jedem unterschiedlich. Und trotzdem muss ich sagen, war es weniger schlimm, als ich es mir vorher vorgestellt hatte.

Während der Presswehen hatte ich dann einen Wechsel der Hebammen, weil die Schicht vorbei war. Meine neue Hebamme hatte es gefühlt etwas eilig, da sie immer meinte, ich solle noch stärker und weiter pressen. Ich hatte vorher gelesen, man solle es lieber nach Gefühl machen und eher “rutschen lassen”. Da hab ich mich ein wenig unter Druck gesetzt gefühlt und hätte mehr auf mein Bauchgefühl hören sollen. Denn obwohl der Damm gehalten hat, musste ich am Ende an anderen Stellen trotzdem genäht werden – man lernt nie aus, was alles möglich ist. Bei einer der Wehen hab ich es dann geschafft den kleinen Kopf durch zu bekommen und bei der nächsten dann den Rest des kleinen Körpers. Um 7.46 Uhr war er da, unser kleiner Sonnenschein. Und nein, ich weiß weder Uhrzeit, noch seine Geburtsmaße auswendig und muss jedes Mal nachschauen. An alle Mamis, die sich das alles merken können, vor allem meine eigene, die das nach über 25 Jahren noch wusste: Hut ab!

Ja, das war die Geburt unseres Sohns, für mich ein wirklich unvergleichbares Erlebnis und nicht wirklich wie ich es mir vorgestellt habe. Es war anders, aber ich glaube auch besser. Die Schmerzen habe ich mir schlimmer vorgestellt, die Zeit verging schneller und der Moment, in dem ich meinen Kleinen im Arm halten durfte, war noch schöner, als ich es mir je hätte erträumen können.

Nach einer Weile des Kuschelns und Kennenlernens folgte dann nur noch das Nähen. Wir hatten das Glück insgesamt noch etwa vier Stunden im Kreißsaal im großen Bett in aller Ruhe als kleine Familie liegen bleiben zu dürfen, was wir sehr genossen haben.

Ich wünsche allen Schwangeren, die dies gerade lesen, eine angenehme, komplikationsfreie Geburt! Wenn ihr noch weitere Fragen habt, schreibt mir gern unter julia@tumawas.de oder per Message auf Instagram. Ich finde es sehr wichtig, offen und ehrlich über diese Themen zu sprechen, wollte aber nicht jedes private Detail so öffentlich für jedermann hier rein schreiben. Also zögert bitte nicht und schreibt mir eure Fragen, wenn ihr noch etwas wissen möchtet.

Ihr habt eure Geburt schon hinter euch und habt auch eine positive Geschichte zu erzählen? Schreibt gerne davon in den Kommentaren, es gibt bestimmt viele Schwangere, die davon profitieren können. 🙂 Lasst uns gegenseitig Mut machen!

Bald folgt ein Beitrag über die magische Zeit direkt nach der Geburt und das Wochenbett. Mich haben bereits einige Fragen dazu erreicht. Wenn ihr auch konkrete Fragen habt, schreibt mir gern.

Meine 4 Tipps für einen starken Beckenboden, der durch Schwangerschaft und Geburt ganz schön belastet wird, findet ihr übrigens hier.

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